de
02.07.2026

Potz Blitz, Lise!

Niemand wünscht sich, dass die Nachbarn sich in eine Blaskapelle verwandeln. Besonders dann nicht, wenn Kinder die zukünftigen Protagonisten spielen.

Ich war etwas früher zu Hause als üblich. Nach einer kalten, nassen Phase bot das Wetter frühlingshafte Temperaturen. Genau richtig für eine Runde auf dem Gravel Bilke, dachte ich voller Vorfreude, während ich die Treppen zu meiner Wohnung hochstieg. Etwas ungewöhnliches stach mir ins Auge. An den Wohnungstüren waren Briefe mit Schokoladenkäfern angeklebt. Auch bei mir hing ein identisches Exemplar. Eine unkonventionelle Werbeaktion?

Ich nahm das Blatt ab, schloss die Tür auf und in der Wohnung las ich die Seite quer durch. Mit mässiger Begeisterung erfuhr ich, dass Nachbars Kinder neu mit Musik beginnen und sie keinen externen Proberaum haben. Ausgerechnet laute Instrumente wie Waldhorn oder Trompete werden sie lernen. Trotz allen Vorbehalten fühlte es sich nicht negativ an. Das lag weniger daran, weil ich als Kind selbst Trompete gespielt habe, sondern wie der Brief verfasst war. Potz Blitz, Lise! Das nenne ich mal gute Kommunikation.

Mein Bauchgefühl sagt mir, dass der Inhalt zwar gut überlegt, trotzdem von Herzen geschrieben wurde. Zuerst stellt sich Lise in grundanständigem Sinne vor und nimmt nicht mit einem übertriebenen Selbstverständnis an, dass jeder sie und ihre Familie kennen müsse. Das ist sympathisch.

Obwohl es ein paar Rechtschreibefehler gibt, wirkt der Brief nicht flüchtig geschrieben; Lise’s Muttersprache ist meines Wissens, zumindest habe ich sie so mit ihren Kindern sprechen gehört, italienisch und selbst gute Übersetzungsprogramme machen Fehler.

Sie tut nicht so, als wäre der Lärm kein Thema, sondern spricht es an. Nicht nur das, sie denkt in Lösungen und verbleibt mit dem Versprechen, dass sie sich persönlich darum kümmern wird. Manchmal wünschte ich mir als Kunde eine auch nur halb so lösungsorientierte Haltung von Lieferanten oder Dienstleistern.

Wenn Lises Kinder musikalisch ähnlich begabt sind wie ihre Mutter in der Kommunikation, dann wird’s aus der Wohnung bald schon anständig tönen.

Ein fröhlicher Gruss, Ralph

KONTAKT AUFNEHMEN