Die Hände feucht. Der Hals staubtrocken. Der Bauch voller Schmetterlinge. Nein, es folgt keine Liebeserklärung, nur eine Präsentation. Doch was heisst schon nur. Immerhin sitzen Entscheidungsträger im Publikum. Es zählt.
Das Gefühl der Anspannung ist dir vermutlich nicht unbekannt. Besonders wenn’s um wirklich viel geht. Etliche Menschen im Business tun sich schwer, diese Anspannung zu meistern. Dabei hat Nervosität auch ihre guten Seiten.
Ich habe mit einem Grammy-Award-Gewinner über das Thema gesprochen und meinte, dass er nach seinen unzähligen Konzerten wohl kaum mehr nervös vor einem Auftritt sei. Das Gegenteil sei der Fall, erklärte er mir, der Druck habe sich nicht verändert, nur sein Umgang damit. Er fügte hinzu, dass er ab dem Zeitpunkt, wo er keine Anspannung mehr fühle, nicht mehr auf die Bühne gehen werde, weil das ein Zeichen sei, dass er den Auftritt zu wenig ernst nehme und nicht mehr sein Bestes fürs Publikum geben werde. Sobald sie mir egal sind, dann bin ich ihnen bald auch egal, ergänzte er zum Schluss.
Seine Worte wirkten wie Balsam. Ich haderte in der Vergangenheit oft genug mit meiner Nervosität vor Vorträgen und habe es als eine Schwäche gesehen. Dank Erfahrung, Routine und Reflexion habe ich gelernt, wie ich den Druck so balancieren kann, damit die Spannung nicht Überhand gewinnt, sondern in positive Energie umgewandelt wird. Das sind meine vier persönlichen Tipps, die ich selbst vor jedem Auftritt anwende.
Der erste betrifft die Atmung. Wer länger aus- als einatmet, entspannt sich automatisch. Ich zähle beim Einatmen bis 4, beim Ausatmen bis 8 und wiederhole das mindestens dreimal. Simpel, aber wirkungsvoll.
Der zweite sind die ersten 30 Sekunden. Ich fokussiere mich vor dem Start nicht auf die ganze Präsentation, sondern einzig auf den Einstieg. Den repetiere ich wie ein Mantra. Das hilft mir, von Beginn weg in den Flow zu kommen. Wer gut startet, trägt diesen Schwung meist durch den ganzen Vortrag.
Der dritte ist Bewegung. Ich versuche nicht wie ein Zinnsoldat rumzustehen, sondern bewege mich hinter der Bühne, um die überschüssige Energie loszuwerden. Der Körper braucht ein Ventil.
Der vierte betrifft die Ernährung. Nicht selten vergeht mir der Appetit vor einem Auftritt. Die Magennerven melden sich gerne schon Stunden vorher. Trotzdem ist es wichtig, etwas zu essen; etwas Leichtes, etwas Gesundes. Ein voller Magen hilft ebenso wenig wie ein leerer.
Was am Ende wirklich hilft, ist individuell. Manche schwören auf eine Playlist mit Musik in den Kopfhörern, andere auf ein kurzes Ritual oder ein paar Worte mit jemandem, dem sie vertrauen. T
Die vier Tipps funktionieren für mich. Vielleicht tun sie’s auch für dich. Denn die Hände werden wohl feucht bleiben. Aber das ist kein Zeichen von Schwäche, sondern dass dir das Publikum nicht egal ist.
Ein fröhlicher Gruss, Ralph