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07.05.2026

Einfallsreichtum

Andreas ist ein wahres Sprachtalent. Nicht im üblichen Sinn. Sein Französisch ist, mit Verlaub, grottenschlecht. Zwei Sprachen spricht er hingegen ausgezeichnet: Die des Kunden und die seiner Mitarbeitenden. Kein Wunder, ist er ein erfolgreicher Hotelier.

Zum ersten Mal traf ich Andi in der Hotelfachschule in Luzern. Der eine Zufall brachte uns in dieselbe Klasse und der andere nach Basel, wo wir beide in unterschiedlichen fünf Sterne Hotels ein Praktikum absolvierten. Mit seinem Hintergrund als gelernter Koch war er im Bereich Food & Beverage tätig, während ich als Kaufmann meine Sporen im Sales & Marketing abverdiente.

Wege kommen zusammen, trennen sich, doch die Verbindung bleibt. Nach Jahrzehnten ohne Kontakt packten Andi und ich eine gute Gelegenheit beim Schopf und trafen uns zum Mittagessen. Wir schwelgten nicht nur in der Vergangenheit und tauschten alte Geschichten über wilde Partys in Basel aus, wir warfen ebenso den Blick in die Gegenwart und die Zukunft. Wenig erstaunlich, landeten wird beim Thema Innovation.

Andi war schon immer talentiert, Themen so zu verpacken, dass das Gegenüber sie versteht. Ich war beeindruckt, wie sehr er diese Gabe über die Jahre zur Meisterschaft entwickelt hat. «Wenn ich Mitarbeitern wie einer Raumpflegerin, Kellnern oder einem Commis de Cuisine etwas über Innovation erzähle, dann nicken zwar alle freundlich, doch der Begriff liegt für sie ähnlich weit weg wie eine ferne Galaxie. Wenn ich hingegen das Wort Einfallsreichtum benutze, dann fühlen sich alle angesprochen. Es sind häufig die Mitarbeiter, die grossen und kleinen Problemen als erstes begegnen. Wenn man sie lässt, dann kann jeder in seinem Bereich einfallsreich sein. Da braucht es kein extra Innovationsmeeting im Management.»

Reichtum hat viele Facetten; Einfalls-Reichtum ist eine davon.

Ein fröhlicher Gruss, Ralph

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