War Hans ein naiver Dümmling? Ein individualistischer Tagträumer? Oder das Abbild eines schauderhaft schlechten Händlers?
Die Meinungen gehen ebenso auseinander, wie die Deutung der Geschichte. Klar, wer von uns wüsste nicht gerne einen kopfgrossen Klumpen Gold im Tresor seiner Bank liegen. Kaum einer würde ihn gegen ein Pferd tauschen, selbst nicht für einen Vollblut Araber aus bester Zucht. Seit einem Stupser sehe ich Hans durch eine neue Brille.
Sein Weg ist beschwerlich. Das Pferd wirft ihn ab und verletzt ihn beinahe, die Kuh gibt keine Milch und tritt ihn, das Schwein bringt ihn in Schwierigkeiten mit einem Bauern, der meint es sei gestohlen. Doch Hans beklagt sich nie. Nicht ein einzelnes Mal. Das macht ihn ausserordentlich.
Über der schmerzenden Schulter trägt Hans den Goldklumpen, eingepackt in einem Tuch. Egal was er tauscht, Gold, ein Pferd, eine Kuh, ein Schwein und eine Gans, sein Bündel mit Sorgen und Lasten begleitet ihn tagein und tagaus. Die Herausforderungen im Leben lösen sich nicht in Luft auf, selbst nicht, wenn du den Jackpot im Lotto knackst.
Ich habe Menschen kennengelernt, die das Glück gar nicht erst suchen. Sie wollen keine schmerzenden Schultern. Das Bündel erscheint ihnen zu schwer. Selbst, wenn ein Klumpen Gold drin liegt. Einige von ihnen tischten mir einen bunten Strauss mit Gründen auf, warum sie die Last nicht tragen können. Beim genaueren Hinsehen entpuppten sich die meisten davon als simple Ausreden.
Gut möglich, hatte Hans vom vielen Gehen schmerzende Beine und Blasen an den Füssen. Die Geschichte gibt das nicht her. Ich bin überzeugt, dass er auch dann nicht gejammert hätte.
Ob Hans ein unverbesserlicher Optimist und blinder Träumer gewesen ist, liegt im Auge des Betrachters. Eines war er nicht, ein Zauderer und Haderer. Er zeigte nicht mit dem Finger auf andere Menschen und machte nie jemand anderes für sein Schicksal verantwortlich. Die Geschichte ist ein Schwank. Das Leben nicht. Für Hans wohl doch.
Ein fröhlicher Gruss, Ralph