Marc war über 100 Tage in den Händen von Kidnappern. Gefangen an der Frontlinie zwischen Terroristen und Regierungstruppen. Dem Tod öfters näher als dem Leben.
Ich habe den heutigen Familienvater mehrfach interviewt, was in einem meiner Führungsprogramme zu einem festen Bestandteil geworden ist. Die Menschen hängen ihm an den Lippen, lange bevor sie die Geschichte erfahren. Marc versteht es meisterlich, den Elefanten im Raum zu platzieren. Gemeint ist eine leise Andeutung, die eine Frage im Kopf auslöst, auf die nur die Geschichte eine Antwort hat.
Es beginnt alles harmlos beim Tauchurlaub mit seinen Eltern auf einer kleinen Insel in Malaysia. Im Kopfkino sehen wir Marc im kristallklaren, glitzernden Wasser schnorcheln, während bunte Fische um ihn herumschwimmen. Alles ist ruhig, paradiesisch entspannt. Und trotzdem liegt etwas in der Luft. Sie knistert leicht.
Obwohl im Interview mit Marc Themen wie Resilienz und den Umgang mit Extremsituationen im Mittelpunkt stehen, lohnt sich ein Blick aufs Storytelling. Denn auch die faszinierendste Geschichte kann serviert werden wie ein Hauptgang ohne Salz. Fade Kost ist leider keine Seltenheit im Geschäftsalltag.
Drei Techniken, mit denen Marc den Elefanten wahlweise in den Raum hängt:
- Andeutung
Ein Satz, der auf die Zukunft verweist, ohne sie zu verraten.
„Es war der letzte Tag, an dem ich das Meer einfach schön fand.“ - Falsche Vorhersage
Eine Prognose, von der das Publikum ahnt, dass sie nicht stimmt.
„Mein Vater sagte nach dem Tauchgang: Paradiesischer als hier wird es nie mehr.“ - Das Detail, das nicht passt
Ein kleines Element, das ein wenig fremd wirkt und später wiederkehrt.
„Am Horizont lag ein Boot. Es war kein Tauchboot. Ich habe mir nichts dabei gedacht.“
Marc Wallert könnte seine Geschichte auch mit einer klassischen Ankündigung beginnen: „Ich spreche heute über Resilienz.“ Begeisterung pur im Publikum? Eher nicht. Das Mittelding wäre ein Spoiler mit Elefantenwirkung: „Ich war 140 Tage Geisel. Und es begann mit dem schönsten Urlaub meines Lebens.“ Passt schon besser. Und dann gibt es den reinen Elefanten: „Am Abend vor der Abreise wollten wir noch ein letztes Mal tauchen.“
Im Führungsalltag ist es nicht anders. „Ich gebe euch ein Update zum Projekt» ist eine Ankündigung. „Wir liegen im Zeitplan. Das hat mich stutzig gemacht“ lässt die Menschen zuhören.
Falls du unsicher bist, mach den Elefanten-Check: Erzeugt der Satz eine Frage, die nur die Geschichte beantworten kann? Dann ist es ein Elefant. Fasst er zusammen, worum es geht, oder verrät er die Moral? Dann ist es eine Ankündigung.
Übrigens: Marc’s Zitate entstammen meiner Erinnerung. Einen Goldbarren würde ich nicht auf den exakten Wortlaut wetten, mit einer handelsüblichen Gleitsichtbrille liesse sich die Unschärfe hingegen korrigieren.
Ein fröhlicher Gruss, Ralph