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27.11.2025

Tradition und Leidenschaft

Taiwan ist bekannt für seine Computerchips und Carbonrahmen, die zu den besten der Welt gehören. Doch mitten zwischen Zukunft und Innovation blüht etwas mit tiefer Tradition, der Oolong-Tee.

Zehn Tage reiste ich über die Insel. Ein High-End-Fahrrad hätte auf dem Rückflug schlecht ins Handgepäck gepasst, Tee hingegen sehr wohl.

In Tainan empfahl mir eine Restaurantbesitzerin: „Gehen Sie in den ältesten Teeladen der Stadt, vielleicht sogar des Landes. Er wird seit vielen Generationen in Familienhand geführt und die Qualität ist hervorragend.“

Das Teehaus wirkte schlicht, fast unscheinbar. Der Inhaber begrüsste mich höflich, aber zunächst zurückhaltend. Wir sprachen einige Minuten über Tee, bis plötzlich ein Funke übersprang. Seine Stimme bekam Wärme, seine Augen leuchteten, und seine Anekdoten zogen mich völlig in den Bann. Tee war auf einmal mehr als getrocknete Blätter. Er war Geschichte, Philosophie und Vermächtnis.

Auf dem Weg ins Hotel wurde mir klar, was den Unterschied machte. Es war nicht die Qualität des Tees, nicht die fairen Preise und auch nicht die lange Tradition. Entscheidend war seine Leidenschaft.

Das Igelprinzip von Jim Collins stellt drei Fragen. Wofür brennst du? Worin kannst du der Beste sein? Was treibt deinen ökonomischen Motor?Lange bevor Halbleiter und Carbonrahmen Taiwan bekannt machten, hatte die Familie des Chen Fa Teehauses ihre Antworten schon gefunden.

Ein fröhlicher Gruss, Ralph Hubacher

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