Organisationen investieren viel in Strategie, Technologie und Prozesse. Und übersehen dabei oft das eigentliche Nadelöhr: das mittlere Management.
Eine mehrjährige Gartner Studie zeigt, dass nur rund ein Drittel der befragten HR Verantwortlichen mit der Qualität ihrer Führungskräfte zufrieden ist. Gleichzeitig bewerten lediglich 38 Prozent der Mitarbeitenden die Leistung ihrer direkten Vorgesetzten positiv. Mehr als die Hälfte spricht ihrer Führungskraft kein echtes Vertrauen aus. Der Druck kommt also von beiden Seiten.
Ein Abteilungsleiter sagte mir kürzlich, er fühle sich wie in einer Sandwichposition. Nur eben nicht als der feine Belag zwischen zwei Brotscheiben, sondern eher wie etwas, das zwischen den Fronten matschig zerdrückt wird. Beklagen wolle er sich nicht, schliesslich habe er viele Jahre auf diese Rolle hingearbeitet. Und genau das macht nachdenklich.
Warum befördern wir Menschen in Führungsrollen und lassen sie dann allein? Sollte es nicht im ureigenen Interesse jedes Unternehmens liegen, dass auf allen Ebenen wirksam geführt wird? Denn schlechte Führung ist teuer. Sie kostet Vertrauen, Produktivität und am Ende Leistungsträger.
Vielleicht hilft ein Perspektivenwechsel. Statt in erster Linie über Zielvorgaben, Prozesse und KPI’s zu sprechen, können wir eine einfachere Frage stellen. Erleben Führungskräfte in ihrem Alltag Kompetenz, Autonomie, Verbundenheit und Wirkung? Menschen wachsen dort, wo sie ihre Stärken einsetzen können, Gestaltungsspielraum haben, tragfähige Beziehungen erleben und sehen, dass ihr Beitrag etwas bewirkt.
Management bedeutet dann nicht, noch mehr Druck zu erzeugen, sondern ein Umfeld zu schaffen, in dem genau diese vier Erfahrungen möglich werden. Das beginnt mit Selbstführung im Alltag. Was stärkt heute die Kompetenz im Team? Wo schaffen wir mehr Entscheidungsfreiheit? Wie fördern wir echte Verbundenheit? Und wie machen wir Fortschritt sichtbar?
Ein solches Umfeld wirkt wie ein Multiplikator. Führung wird nicht leichter, aber klarer. Und genau darin liegt ihre Kraft.
Ein fröhlicher Gruss
Ralph Hubacher